17.01.2018
Artikel bewerten
(3 Stimmen)

Portrait Albert Einstein | Ernst Peter Fischer

Der Wissenschaftshistoriker Ernst-Peter Fischer beschreibt - begleitend zur Reihe "Von Aristoteles zur Stringtheorie" die unterschiedlichen Charaktere der berühmten Wissenschaftler.
Diese Folge behandelt Albert Einstein.

 

Video ansehen

Weitere Informationen

Personen in dieser Konversation

  • Hallo UWL-Team,

    gemischte Gefühle erwachsen wir bei diesem Beitrag. Den Beitrag finde ich nicht recht rund.
    Prof. Fischer ist sicherlich ein Einstein-Kenner doch schon allein die Geschwindigkeit seines Wortflusses entsprach mehr der Fließgeschwindigkeit des Rheins bei Hochwasser als des Lebensflusses von Einstein. Ich finde es immer etwas schade, wenn Menschen mit viel Wissen dieses Wissen durch viel und schnelles Reden an den Mann/Frau zu bringen versuchen.
    Ja klar, mir geht es oftmals ebenso, vom einem Professor im gestandenen Alter hätte ich mehr tiefgründige ruhigere Darstellung erhofft. So wirkte es eher wie ein durchhasteter Physikvortrag eines Abiturienten im Prüfungsstress.

    Inhaltlich (ohne die Fakten im Einzelnen gegen gecheckt zu haben) fand ich den Beitrag ebenfalls mit leicht gemischten Gefühlen. Zuerst dachte ich, es wird ein zweiteiliger Beitrag, nachdem der Start sehr feinsinnig erfolgte, doch dann war nach ART und SRT der Rest so im Durchgalopp. Ein Portrait von Einstein war das für mich nicht so recht. Hier hätte man deutlich mehr bringen können.
    Als Schulnote wäre es bei mir eine 3-.


    Was mich generell an Portraits quält ist der Fakt einer gewissen Einseitigkeit. Einseitigkeit aus dem Blickwinkel des Betrachters (weniger aus der Sicht von Prof. Fischer, sondern der Menschheit generell). Das ist scheinbar ein grundlegendes Menschenproblem, „gute“ Menschen immer als gute Menschen darzustellen und „böse“ als bös. (nur der Veranschaulichung wegen in Schwarz/Weiß gemalt, im praktischen ist es viel diffiziler). Es sei denn, die Mehrheit der Ansichten kippt von gut nach böse. Dann ist auf einmal ein Mensch böse, obwohl er jahrelang als gut angesehen wurde.
    An dem Auszug aus den Scheidungspapieren könnte man glatt ableiten, für Einstein wären Frauen dem Manne Untertan (klar war damals eine andere Zeit, aber für einen Freidenker schon seltsam, wie begrenzt doch einige Denken blieben) und dies könnte gelinde gesagt sogar noch sehr schöngefärbt sein, wenn man bedenkt, es waren offizielle Hinweise auf den Scheidungspapieren. Wenn er sich offiziell schon so über (seine) Frau|en| äußert, dann möchte man nicht wirklich tiefer graben. Sicherlich besteht ein gewisses Interesse an der Denke von Einstein, aber von seiner Denke über Frauen möchte man wohl viel viel weniger wissen als über seine physikalisch/mathematisch brillante Denke. Schon allein deswegen nicht, weil man sich verdammt unbeliebt macht über gute Menschen schlecht zu reden. Womöglich hat Prof. Fischer hier schnell in ruhigere Gefilde abgedreht um sich nicht den geballten Gegenwind der Physikerwelt auf sich zu ziehen.
    Mal eine rhetorische Frage: „Würde man Einstein auf eine Marsmission mitnehmen, wenn er es gewünscht hätte?“ Aus menschlicher Sicht (anhand obiger Äußerungen) wohl eher nicht, aus physikalischer Sicht hingegen wohl.
    Liegt hier die Krux der vorgeschobenen Menschlichkeit begraben. Können Menschen nicht begreifen, dass sie „nur“ Menschen sind und nicht einer Mehr wert als der andere? Würde Einstein zu einem schlechten Menschen, weil er (rein hypothetisch) vielleicht heimlich ins Bordell gegangen ist und eventuell sogar mal (s)eine Frau geschlagen hätte? Versucht nicht die Anhängerschaft eines guten Menschen das Antlitz sauber zu halten und rein zu waschen. Wenn ich mich an meine DDR Vergangenheit erinnere, was uns für Ideale/Idole vorgegaukelt wurden – reingewaschen in Persönlichkeit und Handeln. Reiner als es mit jedem Reinwaschmitteln möglich gewesen wäre. Nun was war tatsächlich: Viel Fassade und dann nur ein normaler Mensch mit seinen Fehlern und Schwächen dahinter.

    Faszinierend bei all den männlichen Persönlichkeiten ist und bleibt das Faktum „Frau“.
    So recht bin ich noch nicht dahintergekommen, warum „Frauen“ so eine extreme Rolle für die Position eines Mannes spielen. Extrem in zweierlei Hinsicht. Warum werden Geschichten bedeutender/bekannter Männer immer im Zwielicht zu Ihrem Frauenbild gestellt?

    Man denke nur an die Klassiker:
    Bill Clinton und Monica Lewinski. (wohl dem der Pfeife raucht ?)
    JFK und seine Frauen
    Ex BP Christian Wulff und seine Bettina
    Dieter Wedel und seine Frauengeschichten
    Die gesamte MeeToo Debatte
    Usw. usw.

    Bringt man Männer mit Frauen eher zum „Fall“ als mit andere Dingen?
    Wäre zu hinterfragen, ob das Frauenbild von Einstein abstrus oder eher seine Rolle bei der Entwicklung der Atombombe kritischer zu werten ist?
    Da brachte das spekulative Vorleben von Frau Wulff den Bundepräsidenten mit zum Kippen, hingegen ein Ex-Bundesaußenminister Mitglied bei der NSDAP sein konnte und man keinen Konflikt darin sah.
    Haben (fast) alle Männer irgendein Frauenproblem und nur bei bekannten/berühmten ist dies so pointiert?
    Hebt ein Nobelpreis fünf abwertende Aussagen über Frauen auf oder nur drei?

    Summa summarum werden Menschen mit Menschen „Probleme“ haben, solange es Menschen gibt.
    Es wird wohl nie eine einheitliche Messlatte geben, wo sich jeder Mensch selbst einordnen kann – ein Punktesystem – ähnlich dem IQ Prinzip für Menschen wäre fehl am Platze.
    Vielleicht wären hierzu mal die Philosophen gefragt, ob es Sinn macht Menschen anhand ihrer Taten, Aussagen und ihres Wirkens in einer Skala der Menschlichkeit einzustufen. Vielleicht kommt in Sachen Menschlichkeit ein unbekannter indischer Arbeiter, der sein Leben gut und ehrlich gearbeitet hat und sich nie was zu Schulden kommen lassen hat, besser weg als mancher Nobelpreisträger. Nur mit dem Beigeschmack, der indische Arbeiter hat das Wissen der Menschheit nicht vorangebracht.

    Belassen wir es dabei – Einstein war als Physiker ein Genie, aber als Mensch ein Mensch wie jeder andere.