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THEMA: Berichterstattung über Beteigeuze

Berichterstattung über Beteigeuze 16 01. 2020 21:55 #63968

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Hallo UWudLer,

ich habe mir etwas die Berichterstattung über die "bevorstehende" Supernova von Beteigeuze angesehen.
Entweder habe ich wo gar nicht aufgepasst, aber ich lese in vielen Artikeln immer von "Neutronenstahlung".
Sind da Neutrinos gemeint? Klar gibt es Neutronensterne als Ergebnis einer SN, aber das sind ja keine freien Neutronen, diese zerfallen ja bekanntlich nach kurzer Zeit?
Zudem sollten Neutronen ja nicht mit c unterwegs sein und damit wesentlich später als die Gammastrahlung eintreffen.
Hab ich da irgendwas missverstanden?
www.merkur.de/welt/universum-riesen-ster...all-zr-13424032.html

Viele Grüße und Danke für die Nachhilfe

Renar

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Berichterstattung über Beteigeuze 16 01. 2020 23:29 #63973

Neutrinos sind ungefährlich, es entstehen schon Neutronen. Auch die Geschwindigkeit ist dann nahe c. Die Halbwertszeit unterliegt bei hohen Geschwindigkeiten genauso der Zeitdilatation wie jede Eigenzeit. Ob dies für diese Entfernung noch relevant ist, weiß ich nicht. Jedenfalls nimmt die Strahlungsdichte und ebenso der Neutronenfluss bzw -flussdichte (Luminosität) mit 1/r² ab, so dass die Entfernung wohl ungefährlich ist.

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 15:52 #64005

  • Renar
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Danke ra-raisch!
Dachte nicht das die Zeitdilletation so durchschlägt bzw. die Neutronen so viele sein können das bei ca. 600 LJ und einer Halbwertszeit von ~10 Minuten noch was bei uns ankommt.
Aber wie auf YT gut erklärt, bei über 20% c gehts rund mit dem Lorenzfaktor und relativistische Effekte gilts zu berücksichtigen.
Wie rechnet man sowas? Neutronen mit einer halbwertszeit von ~10 Minuten von der Explosion haben sie eine mittlere Geschwindigkeit und die auf 600 LJ mit dem Lorenzfaktor, damit man weiß wieviel Zeit / Strecke für die Neutronen vergangen ist?

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 19:04 #64017

Renar schrieb: Wie rechnet man sowas?

In solchen Fällen rechnet man nur noch mit dem Lorentzfaktor und nimmt als Geschwindigkeit v≈c an.

Also t=d/c und dann
γ=t/τ½=d/(τ½c)
Das ist dann der mindestens nötige Lorentzfaktor für eine Überbrückung innerhalb der Halbwertszeit. Daraus kann man dann β=v/c=²(1-1/γ²) berechnen. Das Ergebnis wird aber sehr nahe bei 1 liegen, wir können dies als Laien dann auch schwer auf Realismus abschätzen. Wichtiger ist wohl die Ausdünnung nach 1/r², allerdings ist ja auch die Gesamtmenge N oder Flächendichte σ=N/A oder N/Ω wichtig, alles Unbekannte für uns Laien. Und bei einem Jet wäre die Dichte wieder gebündelt. Tatsächlich ist die Abschätzung auch für Fachleute schwierig, weil es ja eine atypische Entwicklung zu sein scheint.
τ½ = 880 s
d = 660 ly
γ = 21516545
β = 0.9999999999999989
Aber bei den letzten Stellen bin ich mir nicht ganz sicher :P ...die Rechengenauigkeit könnte zu gering sein.

Jedenfalls setzt das schon aberwitzige Geschwindigkeiten voraus, im LHC wird mit Elektronen erreicht
β = 0,999999991
Das sind 7 TeV, mit Protonen wird das nicht erreicht. Ein Neutron hätte bereits bei dieser Geschwindigkeit satte 12870 TeV = 0,002 J

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 22:25 #64023

Natürlich ist hier von Neutrinos die Rede! Von was denn sonst?

Dass die Presse den Unterschied zwischen Neutronen und Neutrinos nicht verinnerlicht hat, wundert mich nicht.

Für Journalisten in ihrer Majorität sind die Teilchen des Standardmodells wahrscheinlich so eine Art Teilchengulasch.

Und die Relativitätstheorien sind auch kein Bestandteil einer journalistischen Ausbildung.

Also kein Wunder, wenn hier Plumpaquatsch heraus kommt.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:01 #64024

Supernova Neutrinos sind auch keineswegs harmlos. Desto höher die Energie desto höher ist die Wechselwirkung von Neutrinos mit Materie.

Nach Simulationen ist es den Neutrinos zu verdanken, dass bei einer Supernova die Materie ins All geschleudert wird. Ohne diese Neutrino Wechselwirkungen wären die in Supernova erzeugten schweren Elemente nicht ins All geschleudert worden und es gäbe uns daher nicht.

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:11 #64026

Thomas schrieb: Natürlich ist hier von Neutrinos die Rede! Von was denn sonst?


wiki: de.wikipedia.org/wiki/Supernova
Zwei weitere Prozesse verstärken diesen Effekt: Erstens werden durch Photonen hochenergetischer Gammastrahlung Eisenatomkerne mittels Photodesintegration zerstört. Dabei entstehen α-Teilchen und Neutronen; die α-Teilchen können ihrerseits durch solche Photonen in ihre Kernbausteine, Protonen und Neutronen, zerlegt werden.

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:18 #64027

Claus,
nicht nur ihre Energie, sondern auch ihre Dichte sind bei einer SN entscheidend. Letztendlich treibt nämlich die Energiedichte der Neutrinos und damit deren gesamter Energieinhalt die Sternhülle nach draußen.

Was bei uns dann ankommt, regelt das 1 über r2 Gesetz.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:31 #64028

Thomas schrieb: Natürlich ist hier von Neutrinos die Rede! Von was denn sonst?

Ok, danke, da hatte ich wiki missverstanden, weil dort immer wieder die Rede davon ist, dass bei der Supernova viele Neutronen produziert werden und die Sternhülle abgesprengt wird.

Zu SN 1987A finden sich folgende Daten und Angaben bei wiki:

Entfernung 168.000 ly

Drei Stunden bevor das sichtbare Licht die Erde erreichte, wurde ein starker Neutrino-Ausstoß von verschiedenen Neutrino-Observatorien festgestellt, die eigentlich zur Untersuchung der Neutrinooszillation und zur Suche nach Protonenzerfall betrieben worden waren. Dies war die erste Neutrinomessung an einer Supernova und bestätigte theoretische Modelle, denen zufolge große Teile der Energie einer Supernova in Form von Neutrinos abgestrahlt werden. Da die Neutrinodetektoren nicht empfindlich genug waren, konnte nicht das volle Energiespektrum erfasst werden. Im Kamiokande-Detektor wurde ein Puls von elf Neutrinos in dreizehn Sekunden beobachtet,[3] acht im Irvine Michigan Brookhaven Experiment,[4] möglicherweise fünf im Mont Blanc Underground Neutrino Observatory.[5] und fünf im Baksan-Detektor[6][7] Dies sind bis heute die einzigen nachgewiesenen Neutrinos, die sicher aus einer Supernova stammen, welche wiederum wenige Stunden später mit Teleskopen beobachtet werden konnte.

Die Neutrinos erreichten vor dem Licht die Erde, da sie praktisch ohne Wechselwirkung (also ungebremst) Materie durchqueren können. So verließen sie den kollabierenden Kern und die Schockwelle direkt nach dem Ereignis – das Licht der Supernova wurde erst sichtbar, als die Explosion die Sternoberfläche erreicht hatte, was ungefähr drei Stunden später der Fall war. Der Unterschied in der Ankunftszeit von wenigen Stunden nach circa 157.000 Jahren bedeutet, dass die Geschwindigkeit der Neutrinos sich höchstens minimal von der des Lichts unterscheidet.

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:40 #64029

Rainer,

dem ist nichts hinzuzufügen!

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 17 01. 2020 23:52 #64030

In wiki.en findet sich noch eine interessante Angabe zur Energie:
In lower mass cores the collapse is stopped and the newly formed neutron core has an initial temperature of about 100 billion kelvin...
About 10⁴⁶ joules, approximately 10% of the star's rest mass, is converted into a ten-second burst of neutrinos which is the main output of the event

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 00:17 #64031

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ein Kommentator schreibt:

Natürlich ist hier von Neutrinos die Rede! Von was denn sonst?

Dass die Presse den Unterschied zwischen Neutronen und Neutrinos nicht verinnerlicht hat, wundert mich nicht.

Für Journalisten in ihrer Majorität sind die Teilchen des Standardmodells wahrscheinlich so eine Art Teilchengulasch.

Und die Relativitätstheorien sind auch kein Bestandteil einer journalistischen Ausbildung.

Also kein Wunder, wenn hier Plumpaquatsch heraus kommt.


Es gibt einen Artikel über Beteigeuze vom 13.01.2020 auf "Welt.de", in dem es unter anderem heißt:

Zitat:
„Wenn in einer Entfernung von bis zu zehn Lichtjahren ein Stern explodiert, würde zumindest die halbe Menschheit ausgerottet“, sagt der Physiker und Astronaut Professor Ulrich Walter von der Technischen Universität München, „der akute Strahlungsausbruch dauert nur wenige Stunden. Nur die Hälfte der Erde, die dann in Richtung Supernova blickt, wird von den Neutronen und der Gammastrahlung gegrillt. Auf der anderen Seite des Planeten könnten die Menschen überleben.“
Zitat Ende.

Achtung, das Zitat ist aus dem Zusammenhang entnommen ! Im Artikel geht es nicht um ein Horrorszenario, sondern nur um eine zusätzliche "was wäre, wenn ..."-Information, bevor das gleich wieder Gegenstand von Kritiken wird.
Hier taucht also der Begriff Neutronen auf. Ob das Walter so gesagt hat oder er falsch zitiert wurde weiß ich natürlich nicht.
Ulrich Walter wird älteren Semestern wie mir noch als einer der ersten ESA-Astronauten gut in Erinnerung sein.

Der Verfasser des Beitrags auf "Welt.de" ist Norbert Lossau. Über ihn ist zu lesen:

Berufliche Laufbahn
1994 Ressortleiter Wissenschaft, "Die Welt", später "Welt am Sonntag" und "Berliner Morgenpost"
1990 Wissenschaftsredakteur, "Die Welt"
1988/89 Mitarbeiter Wissenschaftsredaktion WDR Fernsehen
1986 freier Wissenschaftsjournalist (Zeitungen, Magazine) und Buchautor

Ausbildung
Studium Physik, Mathematik, Chemie; 1989 Promotion in Physik an der Universität Köln


So, nun wissen wir also, wer Teilchengulasch kocht und am Ende sogar Plumpaquatsch produziert. Ich finde es jedenfalls unangemessen, so wie geschehen pauschal über einen ganzen Berufsstand zu urteilen. Aber das muss jeder mit sich selbst ausmachen.

Josef Gaßner hat sich in seinem heutigen Video über Beteigeuze nicht detailliert zu der Strahlungsfrage geäußert, er sprach allgemein von Gamma- und Teilchenstrahlung. Er hat aber einen weiteren Beitrag über Supernovae avisiert, auf den ich mich wie über alle seine Vorträge jetzt schon freue.

"Alles hängt mit allem zusammen"
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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 00:43 #64033

CIM,

Wenn Prof. Walter tatsächlich von Neutronen gesprochen hat, dann lag er irrtümlich falsch.

Das ist aber verzeihlich, denn auch einem professoralen Astronauten muss die Unterscheidung zw. Neutronen und Neutrinos ja nicht immer gelingen.

Wüsste nicht, ob ich immer fehlerfrei wäre, stünde ich in der Öffentlichkeit und müsste dort aktuell Rede und Antwort stehen.

Und Cim, Journalisten sind nun mal keine Naturwissenschaftler! Das ist halt so. Es gibt Wissenschaftsjournalisten, da sieht es schon deutlich anders aus, denn die haben meist eine naturwissenschaftliche Ausbildung hinter sich.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 01:52 #64034

Ist es nicht richtig das eine SN Explosion auch ein sehr neutronenreiches Ereignis darstellt? Ich hab dasso verstanden das dabei leichtere Kerne mit Neutronen vollgepumpt werden die dann zum Teil wieder zerfallen und so die schwereren Elemente erbrütet werden.
Da stellt sich schon die Frage wie hoch der Neutronenfluss in 10 Lj Entfernung noch ist. Haben die genug Energie = Geschwindigkeit soweit zu kommen um noch Schaden anzurichten zu können?
Bei Ulrich Walter ist mir schon des öfteren aufgefallen das er in seiner Begeisterung mit der er etwas vorträgt auch gern mal ein falsches Wort benutzt.

assume good faith

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 01:55 #64035

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Zitat:
„Wenn in einer Entfernung von bis zu zehn Lichtjahren ein Stern explodiert, würde zumindest die halbe Menschheit ausgerottet“, sagt der Physiker und Astronaut Professor Ulrich Walter von der Technischen Universität München, „der akute Strahlungsausbruch dauert nur wenige Stunden. Nur die Hälfte der Erde, die dann in Richtung Supernova blickt, wird von den Neutronen und der Gammastrahlung gegrillt. Auf der anderen Seite des Planeten könnten die Menschen überleben.“
Zitat Ende.

Wenn durch einen quadratzentimeter von meinem Daumennagel jede sekunde zig Milliarden Ńeutrinos von der Sonne flitzen, egal ob Tag oder Nacht, wieso machen dann die von der Supernova einen Unterschied auf welcher Seite der Kugel ich bin?
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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 06:53 #64036

Hallo zusammen :)

Jetzt fände ich ja mal interessant, in bezug auf das Ende des Videos, ob auf dem Mars eine wesentlich höhere Anzahl Eisen 60 vorhanden ist.

Dann wäre es ja möglich, das der Mars uns bei passender Konstellation einfach den Hintern gerettet hat und als Dank dafür seine Hülle weggeschreddert wurde.


Gruß
Michael

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 09:42 #64040

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Renar schrieb: Wenn durch einen quadratzentimeter von meinem Daumennagel jede sekunde zig Milliarden Ńeutrinos von der Sonne flitzen, egal ob Tag oder Nacht, wieso machen dann die von der Supernova einen Unterschied auf welcher Seite der Kugel ich bin?


Die größte Gefahr droht prizipiell von der energiereichen Gammastrahlung. Im Falle Beteigeuze trifft das für unseren Planeten nicht zu, zumal wir nicht in der Achse von Beteigeuze liegen, Dort sähe es anders aus, ich empfehle Josef Gaßners Video dazu.

Da Neutrinos nur selten wechselwirken, gehen sie schadlos (vermuten wir) durch unseren Körper hindurch. Hier war aber die Rede von Neutronen. In welchem Umfang die bei der Supernova Typ II vom explodierenden Stern in die Umgebung gelangen wurde zumindest in diesem Thread nicht beantwortet.

@ Merilix
Ob Ulrich Walter tatsächlich von Neutronen sprach, wissen wir ja nicht. Er antwortete in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk auf die Frage "was wird aus Beteigeuze nach der Supernova" spontan: "das wird ein Schwarzes Loch'". Darüber ist aber das letzte Wort noch nicht gesprochen. Hier war er möglicherweise zu voreilig.

@Thomas
Der Journalist, der über Beteigeuze schrieb, hat in Physik promoviert. Ich bleibe dabei, Deine Bemerkung war vorschnell und unangemessen.

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 17:34 #64057

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Wenn man mal jetzt ausrechnet wieviele Neutronen noch bei uns ankommen (wenn überhaupt), mit welcher Energie und Impakt und das maßgeblich ist, dann hat er wahrscheinlich Neutronen auch gemeint. Weil das passt zu der nur eine Hälfte des Planeten Aussage, die wurde ja im Artikel getroffen.
Wurden im Text Neutronen mit Neutrinos verwechselt passt das eigentlich nicht zu der Aussage das nur eine Hälfte der Erde erwischt wird.

Die letzte Möglichkeit ist natürlich auch da ist wo Blödsinn reingekommen in den Artikel.

Gammastrahlung könnnen wir abhaken, ist relevant aber wir sind nicht in Polrichtung und der GRB trifft uns nicht direkt, zudem zu weit weg.

Grüße
Renar

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 19:07 #64059

Renar schrieb: Gammastrahlung könnnen wir abhaken, ist relevant aber wir sind nicht in Polrichtung und der GRB trifft uns nicht direkt, zudem zu weit weg.

Bezieht sich das auf die im Artikel genannten und beispielhaften 10 Lichtjahre oder auf Beteigeuze?

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 19:22 #64060

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Gammastrahlung würde ich bei Beteigeuze sowie in 10 LJ Entfernung als relevant bezeichnen. In kurzer Entfernung ist nur die Richtung vom GRB irrelevant weil man evtl. sowieso genug ab bekommt.
Wie weit die Erde Gammastrahlung blockt, wieviel Blei und schweres Zeug enthalten sind keine Ahnung. Ob das dann nur einseitig ist?
Also Neutronen kommen vermutlich mal nicht durch.
Neutrinos ganz locker.
Genau deswegen eigentlich der Post ich wollt das mal genau wissen, und Neutronenstrahlung klang für mich ernstmal komisch.

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 20:37 #64063

Freie, thermische Neutronen, also solche, die mit moderaten Geschwindigkeiten unterwegs sind, zerfallen nach 15 Minuten.
Relativistische Neutronen, also sehr schnelle Neutronen, deren Geschwindigkeit nahe der Lichtgeschwindigkeit liegt, zerfallen nach längerer Dauer ihrer Existenz. Um das auszurechnen, muss man halt den Lorentzfaktor anmultizipieren.
Aber keinesfalls erreichen sie die Erde.
Protonen, als eine Komponente des Zerfalls schon, aber keine Neutronen.
Also können nur Neutrinos gemeint gewesen sein.

Thomas
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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 21:00 #64065

Thomas schrieb: Protonen, als eine Komponente des Zerfalls schon, aber keine Neutronen.

Es entsteht dabei ggf ein Neutronenstern, allerdings werden die Elektronen durch den Druck in die Protonen gedrückt. Bei der Supernova entstehen aber auch viele Neutronen unmittelbar.

Die einzige Frage ist, ob sie mit nennenswerter Geschwindigkeit und Anzahl herumfliegen, und das ist wohl nicht der Fall.

Selbst bei nur 10 ly müßte immer noch
γ = t/τ½ = d/(τ½c) = 358609
also wohl ausgeschlossen.

Wenn man die Gesamtenergie der Neutrinos und der Restmasse gegenüberstellt, kann man auch abschätzen, wieviel für Gammastrahlung und anderes überhaupt übrig bleibt. Nach obigen Angaben werden jedenfalls 10% der Masse in Neutrinos verwandelt. Aber wie groß ist der Rest?

Bei der oben angegebenen Temperatur 100 billion kelvin ergäbe sich überschlagsweise eine Teilchengeschwindigkeit für Neutronen von

v = ²(2T·kB/mn) = 40603047 m/s = 0,135 c (wahrscheinlichste Geschwindigkeit)
die mittlere Teilchengeschwindigkeit wird sogar etwas höher angegeben mit ²(8T·kB/(m·π))

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 21:33 #64067

Ja klar entstehen am Ort des Geschehens eine Unzahl Neutronen. Sie bauen ja die schweren Kerne auf, jenseits des Eisens.
Aber das passiert während der Explosion! Nur dort haben sie die nötige Energie, die zu diesem Kernaufbau nötig ist.
Außerhalb, wenn sie denn weit kommen, zerfallen sie nach kurzer Zeit.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 22:01 #64070

Ok, scheint plausibel das von Neutronen selbst auch bei nur 10Lj keine Gefahr ausgeht - es sei denn die entstehenden Protonen machen noch mehr als nur das Magnetfeld der Erde zu deformieren.

Die Zahl 10% Masse in Neutrinos erscheint mir eigentlich etwas hoch. Es dürfte doch zu jedem Neutrino das da frei wird ein Baryon gehören das am erzeugenden Prozess beteiligt war.
Oder geben sich da die β+ und β- Zerfälle quasi die Klinke in die Hand so das ein Baryon Quelle vieler Neutrinos/Antineutrinos wird? Oder sind das ganz andere Prozesse?

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 22:07 #64071

Merilix schrieb: Oder geben sich da die β+ und β- Zerfälle quasi die Klinke in die Hand so das ein Baryon Quelle vieler Neutrinos/Antineutrinos wird? Oder sind das ganz andere Prozesse?

So in etwa habe ich das verstanden.
de.wikipedia.org/wiki/Supernova#Kernkoll...dynamische_Supernova
Zweitens werden im sogenannten inversen β-Zerfall (Elektroneneinfang) freie Elektronen durch Protonen eingefangen. Dabei entstehen weitere Neutronen, und Neutrinos werden freigesetzt

Hier ist davon die Rede, dass es nur die γ-Strahlung ist und bei einer SN II mindestens 26 ly nah sein müßte. Von Neutrinos ist dabei auch nicht die Rede.
de.wikipedia.org/wiki/Supernova#Auswirkungen_auf_die_Erde
Supernovae vom Typ II gelten hingegen als weniger gefährlich. Neuere Untersuchungen gehen davon aus, dass eine solche Supernova in einer Entfernung von weniger als 26 Lichtjahren aufleuchten muss, um die biologisch wirksame UV-Strahlung auf der Erde zu verdoppeln.[24]

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 22:19 #64074

Merilix,
wird wahrscheinlich so sein, dass uns ein Protonenschauer erreicht. Da Protonen geladene Teilchen sind, werden sie die Magnetfelder der Planeten unseres Sonnensystems sicher beeinflussen, sprich deformieren.
Das entspricht einem gewissen Impulsübertrag auf das Sonnensystem, quasi ein elastischer Stoß gegen das Sonnensystem.
Es wäre interessant, mal zu überschlagen, wie groß der wohl ausfallen würde.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 22:21 #64075

Thomas schrieb: Es wäre interessant, mal zu überschlagen, wie groß der wohl ausfallen würde.

Wie ich bei obiger Berechnung gesehen habe, wäre der Zeitunterschied immens....

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Berichterstattung über Beteigeuze 18 01. 2020 22:31 #64076

Welcher Zeitunterschied? Meinst du etwa den Unterschied zwischen Ankunft Licht und Ankunft Protonenfront?
Der ist sicher zeitlich weit auseinander, denn die Protonen haben Masse.

Thomas

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Berichterstattung über Beteigeuze 19 01. 2020 09:52 #64083

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Verändert sich durch den Zerfall der Impuls bzw. die Richtung vom zerfallenden Neutron zum Proton?
Dabei entsteht doch noch ein Elektron und ein Elektron Neutrino. Die haben zwar keine Masse aber Energie.
Wird das Proton dabei etwas aus der Bahn gelenkt? Läuft es "schnurgerade" die Richtung des ursprünglichen Neutrons weiter?
Eine kleine Winkeländerung macht auf Lichtjahre dann doch Strecke.
Dadurch müsste sich die Streuung dann noch erhöhen und somit die Trefferrate auf die Erde sinken.

Grüße.

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Letzte Änderung: von Renar. Begründung: Erweitert (Notfallmeldung) an den Administrator

Berichterstattung über Beteigeuze 19 01. 2020 10:40 #64084

Renar schrieb: Verändert sich durch den Zerfall der Impuls bzw. die Richtung vom zerfallenden Neutron zum Proton?
Dabei entsteht doch noch ein Elektron und ein Elektron Neutrino. Die haben zwar keine Masse aber Energie.
Wird das Proton dabei etwas aus der Bahn gelenkt? Läuft es "schnurgerade" die Richtung des ursprünglichen Neutrons weiter?
Eine kleine Winkeländerung macht auf Lichtjahre dann doch Strecke.
Dadurch müsste sich die Streuung dann noch erhöhen und somit die Trefferrate auf die Erde sinken.


Elektronen haben eine Ruhemasse, auch wenn sie deutlich kleiner ist als die des Protons. Auch wenn sie noch nicht direkt gemessen werden konnte, deutet vieles darauf hin, dass auch Neutrinos eine (sehr kleine) Ruhemasse haben.

Aufgrund des Impulserhaltungssatzes wird beim Neutronenzerfall die Impulsrichtung des Neutrons sich von der Impulsreichtung des entstehenden Protons leicht unterscheiden.

Auch aufgrund elektromagnetischer Abstoßung von den fliegenden Protonen untereinander kann es zu Änderungen der Impulsrichtung kommen.

Für die Zahl der auf der Erde ankommenden Protonen spielt beides aber keine Rolle.

Warum? Gehen wir näherungsweise davon aus, dass eine Supernova isotrop in alle Richtungen gleich viele Teilchen ausstößt. Dann wird die Zahl der an einem Ort ankommenden Teilchen bei fehlender Wechselwirkungen auf dem Flug nur von der Größe des Ortes und seiner Entfernung abhängen.

Wenn jetzt die Teilchen im Flug wechselwirken und die Wechselwirkung in alle Richtungen gleichmäßig verläuft, dann ändert sich an der isotropen Verteilung dieser Teilchen nichts. Es treffen nur nicht immer die Teilchen den Ort, die von Beginn an darauf direkt zugeflogen sind.

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