Willkommen, Gast
Benutzername: Passwort: Angemeldet bleiben:
  • Seite:
  • 1

THEMA: Systemtheorie

Systemtheorie 20 Feb 2016 11:53 #2931

  • Dick
  • Dicks Avatar Autor
  • Offline
  • Senior Boarder
  • Senior Boarder
  • Beiträge: 188
  • Dank erhalten: 16
Im Kapitel 6.1 sprechen Sie Theorien an, die evt. neue Impulse setzen können. Haben Sie sich schon einmal mit der Systemtheorie auseinandergesetzt ? Niklas Luhmann hat anhand von Kommunikationssystemen gezeigt, daß sie auch in komplexen Systemen funktioniert, und er hat den Systembegriff so definiert, daß er allgemeingültig ist. Ich finde, daß es durchaus sinnvoll ist, Teilchen und ihre Wechselwirkung als Systeme anzusehen. Ich will an zwei Beispielen deutlich machen, was ich meine.

Im Mexican Hat des Urknallmodells geht man von Quantenfluktuationen aus, die Energie und Zeit beinhalten. Zeit ist im Nichts aber nicht gegeben. Wie kann dann Energie kurzzeitig fluktuieren ? Systeme dagegen sind zwar nicht zeitunabhängig, können sich aber ohne die Voraussetzung Zeit selbst generieren. Sie sind weder an Raum noch an Zeit gebunden.

Zweites Beispiel Evolution: Sie kann weder mit der Relativitätstheorie noch mit der Quantenphysik begründet werden. Systeme dagegen können neue Qualitäten hervorbringen. Die Evolution könnte daher als eine Folge von aufeinander aufbauenden Systemen dargestellt werden. Theoretisch ist die Systemtheorie also durchgängig vom Urknall bis hin zu sozialen Systemen. Eine vergleichbare Theorie gibt es m.W. nicht.

Die Systembetrachtung hat für das Verständnis von Zusammenhängen ungeahntes Potential. Sie zerlegen die CPU ihres Computers ja auch nicht in ihre Atome, um zu erfahren, wie sie funktioniert. Systeme können nicht-materiell und dennoch real sein. Und wenn eine Theorie in sozialen Komplexen funktioniert, dann sollte sie, wenn sie abstrakt genug formuliert ist, auch auf physikalische Systeme anwendbar sein. Oder nicht ?

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Systemtheorie 20 Feb 2016 14:47 #2933

Hallo Dick,
Zu Beispiel 1: Der Mexican Hat ist die graphische Darstellung eines Symmetriebruchs, den das Higgsfeld kurz nach dem Beginn vollzogen hat. Er hat also mit Quantenfluktuationen nicht direkt etwas zu tun. Quantenfluktuationen könnte es eventuell vor dem Beginn gegeben haben. Eine solche Annahme können wir aber nicht beweisen, da wir nicht vor den Beginn schauen können. Die Annahme erhält ihre Berechtigung, wenn man das, was nach dem Beginn passierte vor den Beginn zurück extrapoliert. Es ist also lediglich ein Denkmodell. Nach dem Beginn, und zwar unmittelbar danach, entstanden die Elementarteilchen und die zugehörigen Wechselwirkungen.
Zu Beispiel 2: Die Evolution setzt mit dem Beginn der Raumzeit ein. Die Physikalischen Gesetze, also die Spezielle Relativitätstheorie, die allgemeine Relativitätstheorie und die Gesetze der Quantenfeldtheorie bilden den Rahmen, vor dessen Hintergrund die Evolution abläuft und dabei zu immer komplexeren Strukturen führt, zumindest auf der Erde und sicher auch auf anderen Planeten. Man darf sich aber nicht täuschen, im Universum gilt generell der zweite Hauptsatz der Thermodynamik und der hat die Unordnung zum Thema. D.h. die Entropie, sprich die Unordnung nimmt zu, nicht ab. Auf lange Sicht gesehen, also wirklich lange, werden alle Strukturen wieder zerfallen sein. Dann gibt es auch keine irgendwie gearteten Systeme mehr.
Deshalb stellt sich die Frage, was ein System überhaupt sein soll. Ist damit vielleicht eine vorübergehend existierende Struktur gleich welcher Art gemeint? Fallen dann Elementarteilchen oder Felder auch unter den Systembegriff? Oder beginnt ein System erst mit einer Kombination von mehreren Teilchen und Feldern? Wofür soll der Begriff System im Sinn einer Definition also stehen?

Grüße
Thomas

Grüße
Thomas
Folgende Benutzer bedankten sich: Dick

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Systemtheorie 20 Feb 2016 18:07 #2938

  • Dick
  • Dicks Avatar Autor
  • Offline
  • Senior Boarder
  • Senior Boarder
  • Beiträge: 188
  • Dank erhalten: 16

Thomas schrieb: Deshalb stellt sich die Frage, was ein System überhaupt sein soll. Ist damit vielleicht eine vorübergehend existierende Struktur gleich welcher Art gemeint? Fallen dann Elementarteilchen oder Felder auch unter den Systembegriff? Oder beginnt ein System erst mit einer Kombination von mehreren Teilchen und Feldern? Wofür soll der Begriff System im Sinn einer Definition also stehen?

Hallo Thomas,
ein System bildet sich durch Abgrenzung von der Umgebung. Die Abgrenzung ist ein Filter, der zwischen innen und aussen entscheidet. Ein System ist nicht hermetisch abgeriegelt, sondern durchlässig für alles, was es verarbeiten kann. Luhmann führt z.B. das Kommunikationssystem Wirtschaft an: immer, wenn von Geld die Rede ist, ist man im System, spricht man über etwas Anderes, befindet man sich ausserhalb. Der Begriff Geld ist der Filter, der dieses Kommunikationssystem von anderen abgrenzt.

Mit dieser Definition ist ein Atom ein System, weil es sich von anderen abgrenzt. Es ist nicht überlagerbar. Alles, was innerhalb des Atoms ist, gehört zum System. Alles Andere zur Umgebung.

Sind Felder Systeme ? Das kommt darauf an. Wenn sich z.B. das Higgsfeld gegenüber dem Nichts abgrenzt, dann ist es ein System. Wenn es auch im Vakuum wirkt, dann nicht. Aber dann verstehe ich auch das Nichts nicht mehr.

Sind Teilchen Systeme ? Das kommt darauf an, ob man z.B. beim Proton zwischen innen und aussen unterscheidet. Wenn das Teilchen nur in Verbindung mit einem Feld existiert, dann ist die Wechselwirkung zwischen beiden das System. Man könnte auch Teilchen und Antiteilchen als System betrachten. Man hat also verschiedene Betrachtungsmöglichkeiten.

Wichtig ist, daß man davon ausgeht, daß ein System mehr als die Summe seiner Einzelteile ist. Es ist weniger eine Struktur als ein Prozeß. Das sagt nichts über seine Lebensdauer aus. Von Entropie würde ich in diesem Zusammenhang nicht reden.

Wenn man einen Blick für Systeme entwickelt hat, dann ist Alles irgendwie systemisch. Es würde mich daher erstaunen, wenn das Urknallmodell kein System wäre. Ich will damit das Standardmodell überhaupt nicht in Frage stellen. Es ist nur ein anderer Blickwinkel, der neue Fragen aufwirft und zur Transparenz beitragen kann.

Ich finde das Thema Urknall in diesem Zusammenhang deshalb so spannend, weil es die Frage nach dem ersten, ursprünglichen System überhaupt ist.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Seite:
  • 1
AUF Zug
Powered by Kunena Forum